Apr 08

Sprung in der Schüssel

Kürzlich fiel mir folgende Geschichte in die Hände:

Der Sprung in der Schüssel

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere heil war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die Schüssel mit dem Sprung jedoch immer nur noch halb voll. Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die Makellose war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht war. Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sagte die Schüssel zu der alten Frau: „Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.“ Die alte Frau lächelte. „Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüsselnicht? Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun giesst du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pfl ücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.“

Jeder von uns hat seine ganz eigenen Macken und Fehler, aber es sind gerade die Macken und Sprünge, die unser Leben so interessant und lohnenswert machen.
Und genau so hat Gott jeden von uns geschaffen, so wie wir sind, mit allen unseren Macken und Sprüngen. Beim Propheten Jesaja heißt es (64,7): „Gott, du bist unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.“ Kein Mensch ist makellos oder vollkommen.
Deshalb sollten wir versuchen, jeden Menschen so zu nehmen wie er ist und das Gute in ihm zu sehen.
Also: Genießen wir den Tag und vergessen nicht, den Duft der Blumen auf unserer Seite des Pfades zu genießen.

Es grüßt Sie
Ihre Pfarrerin Sabine Happe